Perspektive


07.07.2024

Das, was mir damals im Kunstunterricht einfach nicht gelingen wollte, geht mir beim Schreiben gut von der Hand. Perspektiven.


Meine präferierte Schreib-Perspektive erlaubt es mir, meinen Gelüsten als manipulativer Strippenzieherin nachzugehen. Es macht mir Spaß mit meinen Charakteren und deren Stimmen zu spielen. Ich habe die Kontrolle darüber, wen ich in meinen Geschichten wann erzählen lasse. Entsprechend kann ich die Aufmerksamkeit des Lesers gezielt lenken. Informationen streuen oder vorenthalten. 😈


Auf der anderen Seite stellt es mich auch vor Herausforderungen. 

„Ne, das kann sie so noch nicht wissen. Dazu muss sie noch XY treffen. Mist! Wie kriege ich jetzt ein Treffen reingeschrieben?“ 🤯




Bilder


23.06.2024

Lass uns etwas probieren.


Lass die folgenden Worte auf dich wirken: 

Nacht, Regen, verlassene Hütte


Nun etwas anderes. Lies wieder aufmerksam:

Milchreis, warme Socken, ein Lied


Und? Welche Bilder hattest du beim Lesen im Kopf?

Erstaunlich, dass es nur wenige Worte braucht, um so unterschiedliche Stimmungen zu erzeugen, oder?


Erst seitdem ich schreibe, ist mir das selbst bewusst geworden. Ich versuche mich daher in meinen Texten auf das Wesentliche zu fokussieren. Jede Szene hat gewisse Aspekte, die sofort die richtige Stimmung erschaffen. Die Kunst ist es, diese zu finden.


Veränderung


16.06.2024

Nichts bleibt so, wie es ist.

Der Satz ist ein zweischneidiges Schwert.

In der Dunkelheit lässt er dich hoffen. Er gibt dir die Gewissheit, dass jede Nacht dem Morgen weichen muss.

Im Licht schenkt er dir Furcht. Er ist die Sicherheit, dass sich mit jeder verstreichenden Sekunde das Öl in der Lampe dem Ende neigt.

Nichts bleibt so, wie es ist.

Sei dir dessen stets bewusst. 
Hoffe in der Dunkelheit.
Genieße das Licht.

Konflikte


09.06.2024

Wie man einen Konflikt kreiert?


Stell dir vor, dass du an deiner Seite den perfekten Partner hast. Er/ Sie ist deine große Liebe. Du warst noch nie so glücklich mit jemandem und du kannst dir ein Leben ohne ihn/ sie nicht mehr vorstellen.


Dann erfährst du Folgendes: Dein Partner hat die Hälfte der Menschheit auf seinem/ ihrem Gewissen. Du erfährst nicht wieso. Nur dass er/ sie Schuld am Tod von knapp vier Milliarden Menschen ist.


„Liebst du mich noch?“


Noch nicht genug?

Unter diesen vier Milliarden Menschen waren auch deine Familie und Freunde.


Dein Partner blickt dir tief in die Augen. „Liebst du mich noch?“

Der Koffer


02.06.2024


„Ist er das?“ Ich mustere das abgegriffene Leder des Koffers.
„Oh, ja.“ Mit einem wissenden Lächeln klopft sie auf den Deckel. „Willst du sehen, was drin ist?“

Mein spontanes „Ja!“ bleibt auf halben Weg in meiner Kehle stecken. Stattdessen lehne ich mich in meinem Stuhl zurück. Während ich meine Antwort überdenke, fummele ich mit der Zungenspitze in meiner Zahnlücke herum. 

Will ich wirklich wissen, was in dem Koffer steckt? Ich mache mit den Lippen ein ploppendes Geräusch und widme mich dann wieder meinem Getränk.

„Und?“ Die Sensationsgeilheit in ihrem Blick springt mich an.
„Lauf.“
„Wie bitte?“
„Ich sagte, dass du deinen Koffer nehmen und laufen sollst.“ Ich leere mein Glas und ordere Nachschub.
„Was?“
„Wenn du mir zeigst, was in dem Koffer ist, dann ist die Geschichte hier und jetzt beendet. Willst du das?“
Sie zögert, zieht dann jedoch das Gepäckstück vom Tresen und presst es gegen ihre Brust. Schließlich schüttelt sie den Kopf.
„Siehst du. Also solltest du endlich anfangen zu laufen.“

Kreativität bedeutet Mut


18.05.2024


So klein dieses Wort auch ist, kann Mut unterschiedlichste Farben und Formen annehmen.

Es ist der Fallschirmsprung in die Tiefe.
Es ist der Tanz am Abgrund.
Es ist ein Kampf, den man wagt.

Es ist aber auch mutig, ein Bild in neuen Farben zu malen.
Es ist mutig, fremde Welten zu erschaffen.
Es ist mutig, besondere Charaktere vorzustellen.

Wenn du schreibst, vergiss nie, dass Kreativität Mut bedeutet!

Monologe


12.05.2024


Guten Tag und herzlich Willkommen beim Treffen der „Monologe in Dramen haben mich im Deutschunterricht ins Koma katapultiert“!


Ich freue mich über euer zahlreiches Erscheinen und will direkt an unseren ersten Sprecher übergeben. 

Herr Dr. Faust! Was haben Sie zu dem Thema zu sagen?


„Habe nun, ach! Philosophie, 

Juristerei und Medizin, 

Und leider auch Theologie

Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. 

Da steh' ich nun, ich armer Tor, 

Und bin so klug als wie zuvor!“

 

Ja, okay…


„Heiße Magister, heiße Doktor gar, 

Und ziehe schon an die zehen Jahr'

Herauf, herab und quer und krumm

Meine Schüler an der Nase herum -

Und sehe, dass wir nichts wissen können!“


Ja! Danke!! 😅😅


❓An welches klassisches Drama kannst du dich noch aus deiner Schulzeit erinnern? Hat dir sogar eines gefallen?

Bösewichte


21.04.2024


Ein Kribbeln läuft mein Rückgrat hinunter und verfängt sich unangenehm in meinem Steißbein. Es fühlt sich fast so an, wie ein missglückter Bocksprung damals im Sportunterricht. Ein Gefühl, bei dem man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll.


Sein Blick richtet sich auf mich und ich unternehme den verzweifelten Versuch mit dem Sessel unter mir zu verschmelzen.  Ich versuche möglichst geräuschlos zu schlucken, wobei ich kaum wage zu atmen.


Bloß nicht auffallen! Bloß nicht verärgern!

Aber das ist leichter gesagt, denn getan. Alles könnte ihn wütend machen. Und wenn das geschieht, dann ist eine Wurzelbehandlung ohne Betäubung ein Sonntagsspaziergang dagegen.


Es ist nicht seine Macht oder seine Gewalttätigkeit, die meinen Magen den Schleudergang einlegen lässt. 

Es ist die Willkür seiner Wut. Ziellosigkeit macht sein Handeln unberechenbar und ihn damit unbesiegbar.


❓Was macht den Bösewicht für dich böse? 

Passivität


14.04.2024

Stellt euch vor, dass der Prinz auf seinem weißen Ross einfach nicht kommt, weil er seinen Hintern nicht hochbekommt. Während er also weiter vor dem Fernseher chillt, hockt Rapunzel noch in ihrem Turm, Schneewittchen pennt in ihrem Glassarg und Aschenbrödel fegt fleißig den Hof. 🤔


Die Ladies haben jetzt zwei Möglichkeiten:

Option a): nichts tun

Option b): selbst ihren Hintern retten


Bei Option a) wäre das Märchen ziemlich schnell zu Ende erzählt. „Und wenn sie nicht gestorben ist, dann fegt sie noch heute!“ 


Option b) ist da doch viel spannender. Ich persönlich würde gerne lesen, wie Rapunzel an ihren abgeschnittenen Haaren aus dem Turm flieht und diesen hinter sich niederbrennt. Oder wie Schneewittchen zusammen mit den Zwergen ein Bergwerk-Kartell im Märchenland aufzieht. Oder wie Aschenbrödel den Schmuck der Stiefschwestern versetzt und sich nen knackigen Poolboy auf Mauritius angelt.

Beschreibungen


24.03.2024


In meiner Brust schlagen zwei Herzen!


Die Leserin: „Schon klar! Verlassene Straße, Regen, dunkel. Es soll gruselig sein. Komm zum Punkt!“


Die Autorin: „Hast du das kleine Graphito unten an der Wand des dritten Hauses von rechts gesehen? Dessen lila Flammen sich im nassen Asphalt spiegeln? Dessen abgeblätterte Farbe im Licht der Straßenlaterne leuchtet?“


Kompromiss heißt das Zauberwort an der Stelle. Meist lässt sich erstmal die Autorin aus, nur damit dann die Leserin den Rotstift ansetzen kann: „Echt jetzt? Du kannst einfach nicht die Tinte halten!“


Auch wenn es den ein oder anderen Streit um die Länge der Beschreibungen gibt, sitzen wir am Ende wieder alle vereint am Lagerfeuer, rauchen eine Friedenspfeife und sind stolz auf unser gemeinsames Werk! 


Lass New London brennen: 

Zur finstersten Stunde

Dialoge


10.03.2024

Es ist eine Eigenschaft, die sich jeder (ob im Buch oder im Alltag) wünscht zu besitzen.

Es ist die Erwiderung, die einem im passenden Moment nicht einfällt, dann aber abends beim Einschlafen.

Es ist der Satz, der den Gewinner eines wilden Wortgefechtes krönt.

Es ist genau das eine Wort, was alle Zuhörer mit den Fingern schnipsen lässt und ein „Daaaamn, Brooo!“ auf die Lippen zaubert.


🌟 Schlagfertigkeit 🌟


Lasst euch gesagt sein, dass die Jagd des Autoren danach nervenaufreibend, frustrierend aber so belohnend ist.